Gagenspiegel

Gagenspiegel

Wir wollen Dir helfen, eine angemessene Gage für Deine Arbeit zu verhandeln.

Nehmen wir an, Du hast gerade ein Vertragsangebot von einem Theater bekommen. Die Information, was an diesem Theater in letzter Zeit für ähnliche Leistungen bezahlt wurde, würde Dir bei den nun anstehenden Gagenverhandlungen helfen. Nur – wie kannst Du an diese Information kommen?

An dieser Stelle kommen wir ins Spiel. Theapolis ist seit 20 Jahren zuverlässiger Partner für Theater und Theaterprofis. Wir haben die Zielgruppe und die Reichweite, um diese Informationen von ausreichender Qualität zu erhalten. Außerdem haben wir die Kompetenz, diese Daten professionell, anonym und sicher zu verwalten und Dir in angemessener Form Auskunft zu geben.

Noch ist der Theapolis-Gagenspiegel nur ein Projekt in der Erprobungsphase. Ohne Deine Mithilfe und die Mithilfe anderer Kolleg*innen ist das Projekt nicht realisierbar.

Ihr stellt uns Eure Theater-Verträge zur Verfügung. Wir sammeln die Daten und strukturieren sie, selbstverständlich anonymisiert. So entsteht ein umfassender, aktueller Gagenspiegel.

In der nächsten Phase können wir Dir in einem persönlichen Gespräch Gagen-Auskünfte geben. Für alle Mitglieder, die in der Probephase mitmachen, gilt: Wer uns mindestens drei Verträge schickt, erhält von uns eine Gagen-Auskunft, bei sechs Verträgen sind es zwei Auskünfte usw.

Bei Berufsanfänger*innen mit Abschluss der Ausbildung innerhalb der letzten 3 Jahre machen wir eine Ausnahme: Hier reicht schon ein eingereichter Vertrag für eine Gagen-Auskunft.

Der Anspruch auf die Auskunft ist nicht übertragbar, Du kannst ihn nur für Dich persönlich verwenden.

Weitere Infos zu den Auskunftsbedingungen findest Du hier.

Für die Probephase/Versuchsphase haben wir bestimmte Mitglieder von Theapolis ausgewählt und kontaktiert. Nur diese Mitglieder können mitmachen.

Wichtig: Um eine kostenlose Gagenspiegel-Auskunft ab September 2020 zu erhalten, muss man zum Zeitpunkt der Auskunft Premium-Mitglied bei Theapolis sein. Bitte hab Verständnis dafür, dass wir für unsere Arbeit bezahlt werden wollen und daher nur diesen Mitgliedern Auskünfte geben können.

Du kannst uns Arbeits- bzw. Werkverträge der letzten drei Jahre von Theatern und theaterähnlichen Betrieben zusenden. Bitte sende Deine Verträge an gagenspiegel@theapolis.de.

Bitte beachte, dass wir ausschließlich Vertragsdokumente annehmen und in unsere Datenbank einfließen lassen. Es reicht nicht aus, uns eine Text-E-Mail mit Gageninformationen zu schicken, da wir diese Angaben nicht verifizieren können.

Du kannst uns Deine Verträge in den gängigen Formaten (PDF, JPEG) senden. Bitte achte darauf, dass Deine angehängten Dateien eine Gesamtgröße von 20 MB nicht überschreiten. Deine Verträge sollten gut zu lesen sein. Fasse jeden einzelnen Vertrag möglichst in einem Dokument zusammen. Sollte Dir das nicht möglich sein, weil Du zum Beispiel Fotos der einzelnen Seiten gemacht hast, schicke bitte für jeden Vertrag eine einzelne Mail, damit wir nichts verwechseln.

Weitere Infos findest du hier.

Wenn Du erst in den letzten drei Jahren Deine Ausbildung beendet hast, reicht uns ein Vertrag, damit Du eine kostenlose Auskunft bekommen kannst. Ansonsten: Schreib uns an gagenspiegel@theapolis.de und sag uns, was Du hast. Wir suchen dann gemeinsam nach einer Lösung.

Deine Verträge werden von uns anonymisiert und nur für den Gagenspiegel ausgewertet und danach sofort gelöscht. Wir speichern keine personalisierten Daten im Gagenspiegel. Wir speichern auch keine zurück-verfolgbaren Rollennamen oder -bezeichnungen.

Ja, mach gern alle personenbezogenen Daten (Name, Adresse, Kontaktangaben usw.) in den Verträgen unkenntlich, wenn Du das kannst. Diese Daten brauchen wir nicht. Zur Auswertung müssen aber folgende Vertragsinhalte sichtbar bleiben: Auftraggeber (Theater), Produktion, Position, Entlohnung, Spesen und Datum.

Es gibt dazu ein Gerichtsurteil vom Landesarbeitsgericht Mecklenburg-Vorpommern aus dem Jahr 2009. Das Gericht hat in seinem Urteil festgestellt, dass eine Klausel, wonach Arbeitnehmer*innen verpflichtet sind, über ihre Arbeitsvergütungen auch gegenüber Arbeitskolleg*innen Verschwiegenheit zu bewahren, unwirksam ist.

Diese Klausel hindere den/die Arbeitnehmer*in nämlich daran, Verstöße gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz im Rahmen der Lohngestaltung gegenüber dem/der Arbeitgeber*in erfolgreich geltend zu machen. Zudem verstoße die Klausel gegen den Artikel 9 Abs. 3 Grundgesetz, denn letztendlich dürfte der/die Arbeitnehmer*in dann nämlich wegen der Klausel auch ihrer/seiner Gewerkschaft keine Mitteilungen über ihre/seine Lohnhöhe machen. Hier kannst Du das ganze Urteil lesen.

Quelle: https://www.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Urteile_Verschwiegenheitsklausel_LAG_Mecklenburg-Vorpommern_2Sa183-09.html

Marc Grandmontagne, der Geschäftsführer des Deutschen Bühnenvereins hat auf Anfrage dazu 2018 folgendes geschrieben:

“Sie hatten mich gebeten, zu prüfen, ob der Bühnenverein in die Mitgliedschaft kommunizieren könnte, dass eine Regelung im individuellen Arbeitsvertrag, die zum Stillschweigen über die Gage verpflichtet, unwirksam ist.

Nach erneuter rechtlicher Prüfung ist das Ergebnis, dass eine solche Regelung nach unserer Ansicht grundsätzlich unzulässig ist. Auch der Mustervertrag des Deutschen Bühnenvereins enthält eine solche Klausel (des Stillschweigens!) nicht. All das schließt jedoch nicht aus, dass es im Einzelfall doch eine zulässige Möglichkeit einer solchen Vereinbarung geben kann.

Wir werden das Thema im Verband in den Gremien noch einmal aufrufen, zudem werden unsere Juristen in ihrer Beratung und in den Fortbildungsangeboten auf die grundsätzliche Unzulässigkeit hinweisen.”

Für die erste Sammlung und Auswertung der Verträge werden wir ein paar Monate im Sommer 2020 benötigen. Unser Ziel ist es, ab September 2020 die ersten Gagen-Auskünfte geben zu können.

Wir werden keinen Gagenspiegel im Internet veröffentlichen, sondern Dir die Auskünfte ausschließlich im persönlichen Gespräch geben. Erstens müssen viele Gageninformationen erklärt werden – man kann z.B. nicht einfach Vorstellungsgagen isoliert betrachten. Es macht einen großen Unterschied, ob man im Repertoire-Betrieb zwei Vorstellungen pro Monat eines großen Klassikers spielt, oder 30 Weihnachtsmärchen hintereinander, mit täglichen Doppelvorstellungen. Daher wollen wir unsere Auskünfte verantwortungsvoll im persönlichen Dialog geben, Rückfragen und Erläuterungen sollen selbstverständlich möglich sein.

Wenn Du mitmachst, informieren wir Dich per E-Mail, ab wann Du uns eine Anfrage zur Gagen-Auskunft senden kannst. In Deiner Anfrage nennst Du uns dann das Theater und was für eine Gage Dich interessiert (Beruf, Rolle, Produktion, Inszenierungs-Eckdaten). Wir prüfen dann, ob wir genug Informationen für eine Auskunft haben und melden uns innerhalb von 48h bei Dir.

Bitte beachte, dass es sich bei dem Gagenspiegel um ein Projekt handelt. Es kommt nur zustande, wenn viele Kolleg*innen mitmachen und ihre Gageninformationen teilen. Wenn wir nicht genügend Gageninformationen über ein Theater bekommen haben, werden wir zu diesem Theater keine Auskunft geben – es besteht also kein Anspruch auf Gagen-Auskunft zu einem bestimmten Theater oder einem bestimmten Beruf.

Hallo, ich bin Sören Fenner, der Gründer von Theapolis. Ich möchte Dir zu dieser Frage eine sehr persönliche Antwort geben:

Während meiner Karriere als Musicaldarsteller bekam ich einmal das Angebot, in einer großen En-Suite-Musical-Produktion mitzuwirken. Ich hatte keine Ahnung über die Gagen an dem Haus, das finanzielle Angebot schien mir gut zu sein.

Sicherheitshalber stöberte ich in den Veröffentlichungen des Hauses und fand einen Kollegen, mit dem ich zusammen die Ausbildung gemacht hatte. Wir hatten uns mehr als drei Jahre lang nicht gesprochen. Ich fasste mir ein Herz und rief ihn an. Ich sagte ihm, dass ich vielleicht demnächst an seinem Haus arbeiten würde – und deutete die Gagen an, die man mir angeboten hatte.

Er reagierte unglaublich offen und kollegial – und nannte mir nicht nur seine Gagen, sondern auch noch weitere Verhandlungsmöglichkeiten bezüglich Sonderzahlungen, Spesen, Wohn- und Umzugskostenerstattung und vieles mehr, was an diesem Theater möglich sei.

Nach diesem Telefonat ging ich mit großer Gelassenheit in die Vertragsverhandlungen. Durch die Informationen meines Kollegen wusste ich, dass ich ein relativ faires Angebot erhalten hatte – es aber noch Luft nach oben gab. Ich konnte also etwas mehr Gage fordern, ohne das Gefühl zu haben, unverschämt zu sein. Denn ich wusste: Die Summen, die ich forderte, wurden dort in ähnlichen Fällen bezahlt.

Obwohl dieses Erlebnis mehr als 20 Jahre her ist, bin ich meinem Kollegen bis heute sehr dankbar für seine Kollegialität und Offenheit. Ich muss aber auch gestehen, dass dieses Erlebnis ein Einzelfall war. Normalerweise hatte ich nicht die Möglichkeit, auf solche Erfahrungen schnell zurückzugreifen. Denn es muss ja immer schnell gehen, wenn man ein Vertragsangebot erhalten hat. Und in anderen Fällen haben Kolleg*innen auch nicht so offen über ihre Gagen mit mir gesprochen – oft mit dem Hinweis darauf, dass sie das ja auch vertraglich nicht dürften.

Daher ist diese gute Erinnerung sicherlich Teil des Impulses, jetzt den Schritt zu gehen, und das Projekt “Gagenspiegel” bei Theapolis zu starten. Um vielen Kolleg*innen die Möglichkeit zu geben, von solchen Erfahrungen zu profitieren. Allerdings hängt das gesamte Projekt davon ab, ob die Kolleg*innen bereit sind, ihre Informationen zu teilen. So wie damals mein Kollege.

Denn wir von Theapolis beweisen zwar seit 20 Jahren täglich mit unserem Theater-Stellenmarkt, dass wir in der Lage sind, Informationen zu sammeln, zu verwalten und richtig weiterzugeben. Tausende von Theatern und Theaterleuten vertrauen uns. Aber “herzaubern” oder “backen” können wir diese Informationen nicht. Sie müssen wirklich vorhanden sein und uns anvertraut werden. In der Gewissheit, dass wir dadurch gemeinsam etwas Gutes für die Mitglieder erreichen. Das ist der Geist von Theapolis.

In der Einführungsphase nicht. Um genügend Informationen zu sammeln, vereinbaren wir einen Tausch: drei Theater-Arbeitsverträge gegen eine kostenlose Gagen-Auskunft.

Allerdings bedeutet der Gagenspiegel für uns bei Theapolis eine Menge Arbeit: Wir müssen die Infos aus den Arbeitsverträgen anonymisieren und in unsere Datenbank einpflegen. Auch die Gagen-Auskunft und die Korrespondenz mit unseren Mitgliedern kostet Zeit und damit Geld.

Wenn unser Experiment also klappen sollte, wird es irgendwann einen Punkt geben müssen, wo wir unsere zusätzliche Arbeitsleistung vergütet haben wollen. Wann das ist steht nicht fest – und wieviel es kosten wird, werden wir durch unsere Erfahrungen in der kostenlosen Projektphase feststellen können.

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